TBers Welt

der alltägliche Wahnsinn in Wort und Bild

Mit dem Fahrrad durch die Gesellschaft

Mit dem Fahrrad durch die Gesellschaft

| Keine Kommentare

Heute Abend war ich einmal wieder in meinem Stamm-Club, wo ich hin und wieder aufgelegt habe/auflege. Es war ein Geburtstag kombiniert mit einer Party. Es ist ein schwarzer Abend (also „Gruftis“). Aber darum geht es so gesehen gar nicht, sondern eher um eine Reise durch die Gesellschaft in dieser Stadt, wo ich derzeit meinen Lebensmittelpunkt habe. Dieser Text ist weder politisch, noch ethnisch zu sehen. Ich bin einfach im Moment nur überwältigt von den Eindrücken, die mir heute Nacht auf den knapp 6 km Heimweg auf dem Fahrrad begegneten, dass ich da immer noch am Grübeln bin, was denn wohl die letzten 30 Jahre in meinem Leben so alles passiert ist. So sitze ich jetzt als hier an meinem neuen Notebook (endlich haben sich die Monate des Sparen bezahlt gemacht! Und es läuft auch mit Windows 7, auch wenn mir der Verkäufer noch einreden wolle, dass Windows 8 das beste sei und Windows 7 gar nicht mehr supported wird und auch bestimmt nicht auf diesem Notebook installierbar sein ;) )

[GARD ALIGN=“center“]

 

Als erstes möchte ich denjenigen Danken, die sich um diesen Abend bemüht haben und diejenigen, die ihn mir tatsächlich versüßt haben! :) Doch wie gesagt geht es heute einmal um die Eindrücke, die ich so gesammelt habe, während ich ohne Musik in den Ohren die Strecke zu meinem Stammclub und zurück nach Hause hatte. Angefangen hat es mit einer kleinen Feier, die doch tatsächlich ausgerechnet auf dem Radweg vor der Lokalität stattfinden musste? Das ist interessant, denn als ich langsam (!) näher kam, mir war schon bewusst, dass es zu Kontrollverlusten der Gäste kommen konnte, klingelte ich pflichtbewusst so behutsam und leise und doch merklich wie ich nur konnte. Unverzüglich sprangen etliche Gäste beiseite und fielen fast auf die Straße! Was habe ich denn jetzt verpasst? Habe ich doch das Nebelhorn benutzt? neeee, kann mal so gar nicht sein. Und doch war ich danach erleichtert, als ich dann entspannt in der Innenstadt ankam, die ich queren musste. Nichts destotrotz kam ich dann auch irgendwann endlich an. Gemütlich und entspannt. Die ersten netten Menschen traf ich draußen, ein paar mehr traf ich dann drinnen und dann kamen noch ein paar. Aber jetzt geht die Geschichte erst richtig los…

Der Rückweg nach einem witzigen Abend

Also wieder rauf auf das Rad! Den Anfang machte eine junge Dame, die sich vehement hinter mir hielt. Ob an der ersten roten Ampel (ja, ich bleibe bei roten Ampeln stehen!) oder danach auf dem Weg in stärker bewohnte Stadtgebiete. Okay, lassen wir die Dame einfach weiter hinter und her fahren. Doch wo bin ich hier eigentlich? Ach ja! Auf einem Radweg! Breit wie eine Autobahn – HERRLICH! Doch halt! Was ist das? Da ist ja auch ein hell beleuchteter Fussweg. Das ist ja auch sinnvoll, denn Fahrräder sind im allgemeinen mit Licht unterwegs, Fussgänger nicht! Aber warum um alles in der Welt gehen da diese 2 „Junggesellenabschiede“ unbedingt nebeneinander auf einem unbeleuchteten Radweg? HALLO? Na gut! Kurz geklingelt, keine Reaktion. Also langsamer und noch ein Stück näher. Noch einmal geklingelt. nöööö, immer noch keine Reaktion. Also kurzerhand ausgewichen – natürlich auf den beleuuchteten Fußweg. *SCHUWPPS* höre ich den ersten älteren Herren lamentieren „HEY! Da drüben ist der Radweg!“ Ja neee, is klar… okay, ich also Hand@Stirn und friedlich und freundlich lächelnd wieder auf den Radweg, die beiden Gruppen waren ja auch schon vorbei. Das mag ja eine Heimfahrt werden. Ich rechne dann mal mit dem schlimmsten…

Auf in die Fußgängerzone

Ja, nachts darf hier die Fußgängerzone mit dem Rad befahren werden. Das zwar nur ab 19:00 Uhr, aber es ist ja auch schon 02:00 Uhr morgens. Also mutig und tapfer weiter. Ich weiß ja, dass die schwierigsten Meter noch vor mir liegen würden. Das ist aber nun einmal der kürzeste Weg und somit unabdingbar. Da sehe ich auch schon die größten und spitzesten T***en Amerikas! McDonalds voraus. Da fällt mir auf, dass ich nirgendwo sonst einen Burger King und einen McDonalds so nah beieinander habe stehen sehen. Doch oje, da steht ja noch einer… scheint wohl das letzte Bier schlecht gewesen zu sein! Der Mageninhalt verteilt sich sauber über eine Pfütze von Blaseninhalt – was den beissenden Geruch in diesem Bereich erklärt. Verwunderlich, dass immer noch so viele Menschen um diese Uhrzeit diese beiden Fastfoodketten stürmen, als wenn es morgen nicht mehr zu essen gäbe.

 

[GARD ALIGN=“center“]

 

Also Passantenslalom, immerhin wanken die meisten fast mehr als ich beim Ausweichen. Da dringen wirre Geräusche an meine Ohren. Was ist das? Auf jeden Fall kein Deutsch, das würde ich verstehen – Englisch auch. Nein, das ist die scheinbar neue Sprache des nachts in deutschen Großstädten. Eine Mischung aus russisch, türkisch und vieler anderer mir vielleicht dem Namen nach bekannter aber beim Hören eher undefinierbar anmutender Sprachen. Okay, wir leben in einer Multi-Kulti-Gesellschaft, das habe ich schon häufiger gehört und auch erlebt. Prinzipiell führt Vielschichtigkeit auch zu Weiterentwicklung. Wenn sich die posititiven Eigenschaften diverser Kulturen miteinander vereinen, dann kann nur etwas gutes dabei herauskommen. Doch leider vermischen sich dann auch die weniger guten miteinander. Na sei es drum, so schlimm kann es ja nicht sein. Bis dann plötzlich jemand in meinen Weg springt. Lustig bunt gekleidet. Sichtlich alkoholisiert und mich in einer Sprache anschreit, die nun wahrlich nicht meine ist. AUWEIA! Gibt es jetzt Ärger??? Nein, einer seiner Begleiter zieht ihn beiseite, ein anderer schubst diese beiden dann wieder in meinen Weg! Na sag einmal! Okay, sie rappeln sich auf und machen mir den Weg frei. Prima! Ich bin erleichtert, dass ich meinen Weg weiter fortsetzen kann und lächele und schicke ein freundliches „Danke! Einen schönen Abend wünsche ich noch!“ hinterher. Da drehen sich diese Herrschaften doch tatsächlich zu mir um, verlieren jedes auch nur freundlich anmutende in ihren Gesichtern und rufen mir diverse Sätze in einer Sprache hinterher, die ich nicht wirklich verstehe, aber es klingt nicht freundlich… OOPS! Bin ich da jemandem über den Fuß gefahren? Ich hoffe nicht, aber langsam mal lieber das Tempo ein wenig steigern… gesagt getan. Vorbei an den Alkoholopfern jungen Alters zu dieser „frühen Stunde“ und weiter in Richtung eines größeren Platzes. TOLL! Hier ist noch richtig viel los, das kenne ich sonst nur aus Montreal, dass nachts auf den Strassen noch so friedlich miteinander die Nacht genießen. Ach was? Die genießen gar nicht! Da ist eine Rangelei im Gange…. HUI! Dann lieber noch einen Zahn zulegen!

Das Ende der Fußgängerzone

Endlich  hat dieser Spießrutenlauf ein Ende und ich atme ein wenig dur… OCHNÖÖÖÖ! Da stellt sich doch glatt ein älterer Herr mit Armen in die Hüften gestemmt vor mich und schnauzt mich an, dass es eine Fußgängerzone sei! Ne, komm, lass gut sein, Keine Diskussion zu dieser späten Stunde… Ich hole aus, um einen gekonnten Bogen um ihn zu fahren, doch er scheint noch recht fit auf den Beinen zu sein, so dass er mir direkt vor das Rad springt! Ich also einen kurzen Nothalt eingelegt, schnell einen Rundumblick und DA IST ES! Ich warte bis der Herr seinem Unmut Luft geschaffen hat, dauert nicht lange, denn er spricht so schnell, ich glaube er hat sich selber nicht mehr verstanden. Von wegen „Fußgänger“, „Radfahrverbot“ und „Rücksicht“. Na ja, denke ich so bei mir, diese angenehme Nacht soll mir niemand mehr vermiesen. Ich lächle freundlich, drehe mich behutsam zu genau dem Schild um, welches die Uhrzeiten anzeigt bezüglich des Radfahrverbotes und auf dem dann (oje oje oje) auch noch steht, dass vor knapp 50 Metern die Fußgängerzone endete. Na sowas… egal, einfach mal ruhig und ausgelichen bleiben, aufsitzen und weiter geht’s! Ein wenig durch die Nacht, ein freundlicher Autofahrer, der in der Parklücke wartet, bis ich vorbei bin. Noch einer von der netten Art, der mir nicht die Türe beim Einsteigen vor das Rad wirft. Geht doch! Ampeln, Kreuzungen, Fußgänger, Autofahrer, … eine ganz normale Sommernacht in der Stadt. Doch dann, oh nein, nicht doch noch Ärger! Aber was will man von dieser Fahrt erwarten, die so seltsam angefangen hat… Eine Gruppe (ja wie sagt man das eigentlich politisch korrekt?) „Afroamerikaner“ (?) Allesamt sichtlich gut drauf. Alkoholisiert? Keine Ahnung, könnte wohl sehr gut sein. Schmaler Radweg, schmaler Fußweg… ich also lieber einmal etwas früher schon zaghaft geklingt. ACH DU HERRJE! Was ist denn jetzt los? Drehen die sich doch alle geschlossen um und ich sehen nur deren Augen im Dunkeln leuchten, dann sehe ich Zähne! Da stehen diese Menschen plötzlich in Reih und Glied neben dem Radweg und winken mich freundlich vorbei. Ich rufe ein zaghaftes „Danke sehr!“ in ihre Richtung, das Lächeln lasse ich mal, will mir nicht doch noch Ärger einfangen! Als ich dann vorbei bin und schon durchatmen will, höre ich plötzlich diese Stimme rufen:“Sehr gerne! Gute Heimfahrt noch!“ Jetzt bin ich baff! So kann man überrascht werden :)

 

[GARD ALIGN=“center“]

 

Die lange Fahrt durch das Dunkel

Jetzt kommt eine Strecke, die mal zu meinen liebsten gehört, mal zu meinen meist verfluchten. Heute mag ich sie, denn es sind selten viele Menschen dort unterwegs. Wie gesagt: selten! Heute scheinbar nicht. Also weichen wir noch ein paar schwankenden Paaren aus, verlassen noch einmal gekonnt den Radweg auf die Straße und nutzen die ausgeprägte Beweglichkeit des Mountainbikes, um wieder auf den Radweg zu hüpfen. Am Ende dieser langen Strecke sehe ich ein Auto auf dem Radweg stehen. Das Standlicht leuchtet, die Fahrertür steht offen, die Innenbeleuchtung ist eingeschaltet. Oje! Also drosseln wir das Tempo. Hier könnte ja etwas passiert sein. Innerlich konzentriere ich mich schon, einer ungewohnten Situation zu begegnen. Dem soll auch so sein. Da sitzt (scheinbar!) der Fahrer dieses roten Golf oder Polo auf einer Bank vor dem Auto und nimmt einen (scheinbar nicht den ersten) Schluck aus einer großen Weinflasche. Ja spinne ich denn? Was ist denn heute schon wieder mit den Menschen los? Da überfahre ich fast noch einen sehr aufgebrachten jungen Mann, der mit dem Telefon am Ohr hektisch durch die Gegend wandert und immer wieder Sätze (laut) von sich gibt wie „Aber DU hast doch gesagt ….“ und „Woher soll ich denn wissen, dass dir das ….“ hmmm, da scheint wohl eine Beziehung auf dem Spiel zu stehen. Kurze Zeit später höre ich Klänge, bekannt, vertraut und doch sehr verwirrend „Atemlos durch die Nacht…“ Steht doch da auf dem Parkplatz einer Fastfoodkette glatt ein Auto mit offener Heckklappe und beschallt den selbigen mit „modernem neuen deutschen Liedgut“. Schnell weiter! Aber als wenn ich es nicht geahnt hätte: die feierlaunige Gesellschaft von zuvor hat den Alkohol in der Bar scheinbar gefunden. Hier klingt es fröhlich und laut über die Straße:“Schatzi schenk mir ein Footoooooooo…..“ JESSAS!

Die letzten Meter

Ich habe also erfolgreich keinen Mitternachtssnack in Form von Fastfood zu mir genommen, ich habe keinen Fußgänger erwischt, auch wenn einige beim Singen echt klangen als wenn sie übelste Schmerzen erleiden müssen, und ich habe alle Querstraßen überlebt, ohne von einem Autofahrer übersehen zu werden. Also auf geht’s, die letzten 500 Meter noch. Endlich daheim. Nun sitze ich also hier, tippe an diesem Text, genieße meinen Absacker zum absoluten Feierabend, höre mein Bett rufen und denke so bei mir, was sich wohl die letzten 30 Jahre meines Lebens alles in der Gesellschaft verändert hat. Ist es überhaupt die Gesellschaft? Vielleicht ist es auch nur die Nacht von Freitag auf Sonntag, welche die tiefsten Abgründe des Menschen zum Vorschein bringt. Eines weiß ich aber ganz gewiss: In meiner Jugend hätte niemand die Leistungsfähigkeit seiner Auto-Hifi-Anlage mit deutschen Schlagern präsentiert! :D   In diesem Sinne wünsche ich Euch allen einen angenehmen Abend, eine ruhige Nacht und einen Sonntag, an dem ihr euch vielleicht (hoffentlich?) nicht alle an eure Aktivitäten der langen Partynacht erinnert ;)

Autor: [TBer]

TBer, wer ist eigentlich dieser TBer? TBer ist ein ganz normaler Bewohner dieses Planeten genannt Erde. Er ist ein ganz normaler Typ mit einem Job, verschiedenen privaten Interessen, einer kleinen Familie und einem mehr oder weniger gesunden Menschenverstand, sowie einer eigenen Meinung und einer manchmal sehr eigenen Art von Humor. Eigentlich heißt er Thorsten W. D. Berger und wurde in den sehr frühen 70er Jahren mitten im Ruhrpott geboren. Dieser ist die Heimat eines ganz besonderen Schlag Menschen mit einer sehr innigen Beziehung zur Arbeit, die hier liebevoll "Maloche" genannt wird, hier gibt es auch eine ganz eigene Art von Humor, die man erst einmal verstehen muss. Viele Jahre seiner Kindheit hat er in einer der schönsten Städte der Welt, mit dem gestörtesten Verhältnis zu Düsseldorf verbracht: Köln. Die Jugend erlebte TBer aufgrund familiärer Umformungen in einem Bundesland, das ihm selber wie vielen anderen Menschen auch ein kleines Geheimnis ist: Hessen. Von hier aus ging die Reise über Bayern in den Norden der Republik. Seit Mitte der 90er nun schon wohnhaft im interessanten und manchmal verwirrenden Hannover. Von hier aus erzählt TBer von seinen Erlebnissen, Gedanken und lässt diesen auch manchmal einfach freien Lauf in seinen Texten und/oder Videos. TBer ist der Typ Mensch, der sich basierend auf seiner Erfahrung das Leben einmal genauer betrachtet und viele Geschehnisse auf sich wirken lässt unter Berücksichtigung der modernen Informationstechnologie und Quellen, die dem interessierten Bürger zur Verfügung stehen. Er hat niemals und wird niemals den Anspruch erheben, alles richtig zu verstehen, geschweige denn verstanden zu haben. Es ist auch nicht alles bierernst zu nehmen oder gar wissenschaftlich fundiert, was hier so zu finden ist. Doch auch diese Gedanken dürfen und müssen von einem mal zu Ende gedacht werden! Wichtig ist, einfach mal mit den Gedanken auszubrechen und sich zu lösen von indoktrinierten Gedankenmustern und zu erkennen, ob es da draußen doch irgendwo intelligentes Leben gibt....

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.